Claude Code – mein neuer „bester Kumpel”
Seit letztem Wochenende teste ich Claude Code im Terminal – und bin ehrlich überrascht, wie gut ein KI-Agent in meinen Dev-Alltag passt.
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- #KI #Claude Code #CLI #Entwicklung #AI Agents #Anthropic
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Ich geb’s zu: Ich bin spät dran. Während der Rest der Entwicklerwelt schon seit Monaten über Claude Code redet, hab ich mir das Ding erst letztes Wochenende mal ernsthaft angeschaut. Und jetzt sitze ich hier und frage mich, warum ich so lange gewartet habe.
„Ist halt noch ein KI-Tool” – dachte ich
Mein Gedanke vorher war ungefähr so: Noch ein KI-Assistent, der mir halbgaren Code ausspuckt, den ich dann dreimal überarbeiten darf. Kenn ich. Hab ich. Brauch ich nicht.
Und ja, ich hab ChatGPT, Copilot und Co. ausprobiert. Funktioniert. Manchmal. Für Snippets, für „wie war nochmal die Syntax für XY”, für Quick-and-dirty-Prototypen. Aber in meinen tatsächlichen Workflow integriert hat sich davon ehrlich gesagt nichts.
Claude Code hat das an einem Wochenende geändert.
Was Claude Code eigentlich ist (für die Uneingeweihten)
Claude Code ist ein agentisches CLI-Tool von Anthropic. Kein IDE-Plugin, kein Browser-Tab – ein Terminal-Tool. Du installierst es, startest es in deinem Projektverzeichnis, und ab da redest du mit Claude über deinen Code. In natürlicher Sprache. Direkt im Terminal.
# macOS – am einfachsten über Homebrew:
brew install --cask claude-code
# oder klassisch über npm:
npm install -g @anthropic-ai/claude-code
cd ~/projects/mein-hugo-blog
claude
Das war’s. Claude liest dein Projekt, versteht die Struktur, kennt deine Dateien und kann direkt loslegen. Dateien editieren, Bash-Befehle ausführen, Git-Workflows managen – alles, ohne dass du die Hände vom Terminal nehmen musst.
Was mich am Wochenende überzeugt hat
Ich hatte ein paar konkrete Aufgaben, die ich schon länger vor mir hergeschoben habe. Perfektes Testfeld also.
Hugo-Template anpassen
Mein Blog läuft auf Hugo mit dem Nightfall-Theme (wer regelmäßig hier liest, weiß das). Ich wollte ein paar Anpassungen am Layout vornehmen, hatte aber keine Lust, mich wieder durch die Template-Doku zu wühlen. Also hab ich Claude Code in meinem Hugo-Verzeichnis gestartet und gesagt: „Zeig mir, wie die Partials für den Blog-Header aufgebaut sind, und schlage mir vor, wie ich die Lesezeit prominenter platzieren kann.”
Claude hat sich durch die Verzeichnisstruktur gelesen, die relevanten Partials gefunden und mir nicht nur erklärt, was wo passiert, sondern auch direkt einen Vorschlag gemacht – inklusive Code-Änderung. Ich musste nur noch y drücken.
Docker-Compose aufräumen
Mein Docker-Host (ja, der mit dem Node-RED-Geraffel) hat über die Monate ein paar Compose-Files angesammelt, die … sagen wir mal … organisch gewachsen sind. Claude hat die durchgeschaut, Redundanzen gefunden, fehlende Health-Checks vorgeschlagen und mir ein sauber strukturiertes Compose-File erstellt. Das hätte mich manuell locker einen Nachmittag gekostet.
Git-Workflow: „Was hab ich letzte Woche eigentlich gemacht?”
Klingt banal, aber: claude starten, fragen „Fass mir die Commits der letzten Woche zusammen und erstelle eine Changelog-Notiz” – und es kommt ein sauberes, menschenlesbares Changelog raus. Kein git log --oneline --since und dann Copy-Paste-Akrobatik.
Was mich wirklich beeindruckt
Es ist nicht eine Killer-Funktion. Es ist die Kombination.
Claude Code versteht Kontext. Es liest nicht nur die eine Datei, die du gerade offen hast, sondern checkt die Projektstruktur, die Config-Files, die Dependencies. Wenn du sagst „ändere den API-Endpunkt”, weiß es, wo der definiert ist, wo er aufgerufen wird und welche Tests betroffen sein könnten.
Es arbeitet im Terminal. Für mich als jemand, der eh den halben Tag im Terminal verbringt (Docker, Git, Hugo, Node.js), fühlt sich das natürlich an. Kein Kontextwechsel, kein Browser-Tab-Hopping.
Es fragt nach, statt zu raten. Wenn Claude sich unsicher ist, fragt es. Statt einfach Code zu generieren, der irgendwie passt, bekomme ich eine Rückfrage: „Du hast hier zwei mögliche Ansätze – soll ich dir beide zeigen?” Das ist mir deutlich lieber als ein übermütiger Copilot, der mir Code in die IDE knallt.
MCP-Support: Claude Code unterstützt das Model Context Protocol, das heißt du kannst es mit externen Tools verbinden – GitHub, Slack, und was auch immer du an MCP-Servern anbindest. Das ist noch ein Rabbit Hole, in das ich demnächst mal abtauche.
Was man wissen sollte (aka: nicht alles ist Ponyhof)
Klar, es gibt auch Dinge, die man auf dem Schirm haben sollte:
- Du brauchst ein Abo. Claude Code läuft über die Anthropic-Plattform – kostenlos ist da nichts (zumindest nicht in der Variante, die Spaß macht). Ich nutze aktuell das Pro-Abo und komme damit gut zurecht – auch wenn die Rate-Limits bei intensiver Nutzung schon mal spürbar werden.
- Vertrauen, aber verifizieren. Ja, Claude kann Dateien ändern und Befehle ausführen. Das ist mächtig – und genau deshalb sollte man die Permissions verstehen. Es gibt einen Sandbox-Modus und du kannst granular steuern, was erlaubt ist. Wer meinen OpenClaw-Beitrag gelesen hat, weiß: blindes Vertrauen in autonome Agenten ist keine gute Idee.
- Kontextfenster ist endlich. Bei längeren Sessions kann es passieren, dass Claude den Faden verliert. Der
/compact-Befehl hilft, aber ab einem gewissen Punkt startet man besser eine neue Session. - Rate-Limits existieren. Wer intensiv arbeitet, kann an Usage-Grenzen stoßen. Das nervt, gehört aber aktuell leider zum Spiel.
Mein Setup (falls es jemanden interessiert)
Aktuell nutze ich Claude Code direkt im Terminal auf meinem Hauptrechner. Die Installation ist simpel:
# macOS:
brew install --cask claude-code
# oder per npm:
npm install -g @anthropic-ai/claude-code
Danach einmal mit claude starten und den Login-Prozess durchlaufen. In jedem Projektverzeichnis kann man optional eine CLAUDE.md anlegen – quasi ein Briefing für Claude, in dem steht, wie das Projekt aufgebaut ist, welche Konventionen gelten und worauf Claude achten soll. Das ist extrem hilfreich, weil Claude diese Datei bei jedem Start einliest.
Was ich noch testen will: die VS Code Extension und den neuen Web-Modus unter claude.ai/code, bei dem man Claude Code direkt im Browser nutzen kann – auch auf Repos, die man lokal gar nicht ausgecheckt hat; Stand 25. Februar 2026 kann man laufende Claude-Code-Sessions außerdem über claude.ai/code oder die Claude-App (iOS/Android) fortsetzen (die Session läuft dabei lokal), das Feature ist zunächst als Research Preview für Max-Abonnenten verfügbar – Pro soll folgen.
Fazit
Claude Code hat mich in einer Woche mehr überzeugt als jedes andere KI-Coding-Tool in den letzten zwei Jahren. Nicht, weil es magisch perfekten Code schreibt – das tut es nicht. Sondern weil es sich anfühlt wie ein Kollege, der neben dir sitzt, mitdenkt und die nervigen Aufgaben übernimmt, ohne dass du erst drei Tutorials und eine Konfigurationshölle durchlaufen musst.
Ist es perfekt? Nein. Ist es der Gamechanger für meinen Dev-Alltag? Ich bin nach einer Woche noch vorsichtig – aber die Tendenz geht klar in Richtung: Ja.
Ob Claude Code mein dauerhafter „bester Kumpel” wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Wochen, wenn der Honeymoon-Effekt nachlässt und der Alltag übernimmt. Aber Stand jetzt: Es fühlt sich richtig gut an, einen KI-Assistenten zu haben, der da arbeitet, wo ich arbeite – im Terminal.
Bleibt neugierig, Alex